Die Gabenbereitung der Heiligen Messe
Theologische Grundlegung
Mit der Gabenbereitung beginnt der zweite Hauptteil der Heiligen Messe, die Eucharistiefeier im engeren Sinn. Zur Gabenbereitung bringen wir Brot und Wein zum Altar, darüber wird im Hochgebet Lobpreis, Dank und Bitte gesprochen, dass wir sie verwandelt als Leib und Blut Christi empfangen dürfen.
Das Korporale wird vom Diakon oder Ministranten am Altar ausgebreitet. Kelch, Kelchtuch und Messbuch werden zum Altar gebracht.
Der Schwerpunkt des Geschehens verlagert sich vom Vorstehersitz und vom Ambo zum Altar. Er ist der „Tisch des Herrn" (1 Kor 10,21), an dem sich das Volk Gottes zusammenfindet.
Gemeindemitglieder bringen Brot, Wein und die Kollekte aus der Gemeinde zum Altar.
Der Priester hält die Patene mit dem Brot etwas über den Altar erhoben.
Wenn das Gebet laut gesprochen wird, antwortet die Gemeinde:
Die Begleitgebete haben ihre Wurzeln im jüdischen Tischsegen: „Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, König der Welt, der Brot aus der Erde hervorgehen lässt." Der Schöpfer wird gepriesen, der die Erde Brot hervorbringen und den Wein reifen lässt.
Der Diakon oder Priester gießt wenig Wasser in den Kelch und spricht still:
Dem Wein wird nach antiker Sitte etwas Wasser beigegeben, ein Sinnbild für die Verbindung von göttlicher und menschlicher Natur in Christus, vor allem aber ein Verweis auf die Teilhabe an der Gottheit Christi, die den Gläubigen in der Teilnahme am eucharistischen Opfer gewährt wird.
Der Priester hält den Kelch etwas über den Altar erhoben.
Wenn das Gebet laut gesprochen wird, antwortet die Gemeinde:
Der Priester verneigt sich tief und spricht still:
Dieses Gebet betont die innere Haltung, die zur Opferdarbringung gehört: Reue, Demut und die Bitte um Annahme durch Gott. Es zeigt, dass das Opfer nicht automatisch wirkt, sondern der rechten Gesinnung bedarf.
Die Gaben, das Kreuz und der Altar werden mit Weihrauch inzensiert. Anschließend werden Priester und Gemeinde beräuchert.
Der Weihrauch ist Zeichen dafür, dass unser Gebet zu Gott aufsteigen möge (vgl. Ps 141,2). Die Beräucherung von Priester und Gemeinde bringt ins Zeichen, dass die Versammelten selbst zur Gabe vor Gott werden wollen. „Er (Christus) mache uns auf immer zu einer Gabe, die dir wohlgefällt", betet der Priester im Hochgebet III.
Der Priester wäscht die Hände an der Seite des Altares und spricht still:
Die Händewaschung ist ein Zeichen für innere Bereitung und Reinigung. Das Waschen der Hände (nicht nur der Finger) geschieht an der Seite des Altares mit Wasserkrug, Schüssel und Handtuch.
Der Priester wendet sich zur Gemeinde und lädt zum Gebet ein. Es gibt drei Möglichkeiten:
Lasset uns beten.
Lasset uns beten zu Gott, dem allmächtigen Vater, dass er die Gaben der Kirche annehme zu seinem Lob und zum Heil der ganzen Welt.
Priester: Betet, Brüder und Schwestern, dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, gefalle.
Gemeinde: Der Herr nehme das Opfer aus deinen Händen an zum Lob und zur Ehre seines Namens, zu unserem Nutzen und dem seiner ganzen heiligen Kirche.
Die Einladung zum Gabengebet kann sich auf das einfache „Lasset uns beten" beschränken, sie kann jedoch auch die traditionelle Form des Wechselgebetes („Orate fratres") annehmen. Das deutsche Messbuch sieht eine dritte Möglichkeit vor, das Gabengebet einzuleiten.
Der Priester spricht mit ausgebreiteten Händen das jeweilige Tagesgebet über die Gaben. Die Gemeinde antwortet: Amen.
Das Gabengebet steht an der Scharnierstelle zwischen Gabenbereitung und Eucharistischem Hochgebet. Es leitet über zum großen Lob- und Dankgebet über Brot und Wein, zum Herzstück allen liturgischen Betens der Kirche. Der Kern des Gabengebetes ist die Bitte um Annahme der Gaben und Gebete.
Theologische Bedeutung der Gabenbereitung
Sinnbildlich bringen die Mitfeiernden in Brot und Wein die Welt und ihr ganzes Leben vor Gott, alles, was sie sind und haben. Sie wollen sich selbst in das eucharistische Geschehen einbringen und die Nähe zum sich den Menschen hingebenden Herrn suchen.
Was wir Gabenbereitung nennen, wurde früher „Opferung" genannt. Der Begriff sollte vermieden werden, weil er leicht zum Missverständnis führt, als wäre schon die Darbringung von Brot und Wein das Opfer der Eucharistie. Das eine Opfer kann jedoch nur das Opfer Christi sein.
Die Kollekte ist wesentlicher Bestandteil der Gabenbereitung und der Eucharistiefeier. Unsere Hingabe an Gott drückt sich so in der Zuwendung zum Nächsten aus, wenn in den Anliegen von Kirche und Welt Geld gesammelt wird.