Novus Ordo Missae - Vollständige Texte

Hochgebete II, III, IV und vollständige Gabenbereitung

Die Gabenbereitung der Heiligen Messe

Theologische Grundlegung

Mit der Gabenbereitung beginnt der zweite Hauptteil der Heiligen Messe, die Eucharistiefeier im engeren Sinn. Zur Gabenbereitung bringen wir Brot und Wein zum Altar, darüber wird im Hochgebet Lobpreis, Dank und Bitte gesprochen, dass wir sie verwandelt als Leib und Blut Christi empfangen dürfen.

1. Bereitung des Altares

Das Korporale wird vom Diakon oder Ministranten am Altar ausgebreitet. Kelch, Kelchtuch und Messbuch werden zum Altar gebracht.

Der Schwerpunkt des Geschehens verlagert sich vom Vorstehersitz und vom Ambo zum Altar. Er ist der „Tisch des Herrn" (1 Kor 10,21), an dem sich das Volk Gottes zusammenfindet.

2. Gabenprozession

Gemeindemitglieder bringen Brot, Wein und die Kollekte aus der Gemeinde zum Altar.

Die Gaben kommen aus der Gemeinde, der Gabengang ist Ausdruck tätiger Teilnahme an der Feier. Es ist sinnvoll, wenn diese Gaben nicht nur von den Ministranten von einer seitlichen Kredenz herbeigebracht werden, sondern durch Gläubige in einer wirklichen Gabenprozession aus der Mitte der Gemeinde.
„Es ist wünschenswert, dass die Teilnahme der Gläubigen dadurch sichtbar wird, dass sie Brot und Wein für die Eucharistiefeier oder andere Gaben bringen, die den Bedürfnissen der Kirche und der Armen dienen" (AEM Nr. 101; vgl. GORM Nr. 140).
3. Gabengebet über das Brot

Der Priester hält die Patene mit dem Brot etwas über den Altar erhoben.

Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen es vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde.

Wenn das Gebet laut gesprochen wird, antwortet die Gemeinde:

Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott.

Die Begleitgebete haben ihre Wurzeln im jüdischen Tischsegen: „Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, König der Welt, der Brot aus der Erde hervorgehen lässt." Der Schöpfer wird gepriesen, der die Erde Brot hervorbringen und den Wein reifen lässt.

4. Mischung von Wasser und Wein

Der Diakon oder Priester gießt wenig Wasser in den Kelch und spricht still:

Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschheit angenommen hat.

Dem Wein wird nach antiker Sitte etwas Wasser beigegeben, ein Sinnbild für die Verbindung von göttlicher und menschlicher Natur in Christus, vor allem aber ein Verweis auf die Teilhabe an der Gottheit Christi, die den Gläubigen in der Teilnahme am eucharistischen Opfer gewährt wird.

5. Gabengebet über den Wein

Der Priester hält den Kelch etwas über den Altar erhoben.

Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen ihn vor dein Angesicht, damit er uns der Kelch des Heiles werde.

Wenn das Gebet laut gesprochen wird, antwortet die Gemeinde:

Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott.
6. Stilles Gebet des Priesters

Der Priester verneigt sich tief und spricht still:

Herr, wir kommen zu dir mit reumütigem Herzen und demütigem Sinn. Nimm uns an und gib, dass unser Opfer dir gefalle.

Dieses Gebet betont die innere Haltung, die zur Opferdarbringung gehört: Reue, Demut und die Bitte um Annahme durch Gott. Es zeigt, dass das Opfer nicht automatisch wirkt, sondern der rechten Gesinnung bedarf.

7. Inzensierung (bei festlichen Gottesdiensten)

Die Gaben, das Kreuz und der Altar werden mit Weihrauch inzensiert. Anschließend werden Priester und Gemeinde beräuchert.

Der Weihrauch ist Zeichen dafür, dass unser Gebet zu Gott aufsteigen möge (vgl. Ps 141,2). Die Beräucherung von Priester und Gemeinde bringt ins Zeichen, dass die Versammelten selbst zur Gabe vor Gott werden wollen. „Er (Christus) mache uns auf immer zu einer Gabe, die dir wohlgefällt", betet der Priester im Hochgebet III.

8. Händewaschung

Der Priester wäscht die Hände an der Seite des Altares und spricht still:

Wasche mich, Herr, von meiner Schuld, reinige mich von meiner Sünde.

Die Händewaschung ist ein Zeichen für innere Bereitung und Reinigung. Das Waschen der Hände (nicht nur der Finger) geschieht an der Seite des Altares mit Wasserkrug, Schüssel und Handtuch.

9. Einladung zum Gabengebet

Der Priester wendet sich zur Gemeinde und lädt zum Gebet ein. Es gibt drei Möglichkeiten:

Variante 1 (einfach):
Lasset uns beten.
Variante 2 (erweitert):
Lasset uns beten zu Gott, dem allmächtigen Vater, dass er die Gaben der Kirche annehme zu seinem Lob und zum Heil der ganzen Welt.
Variante 3 (traditionell - Orate fratres):
Priester: Betet, Brüder und Schwestern, dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, gefalle.

Gemeinde: Der Herr nehme das Opfer aus deinen Händen an zum Lob und zur Ehre seines Namens, zu unserem Nutzen und dem seiner ganzen heiligen Kirche.

Die Einladung zum Gabengebet kann sich auf das einfache „Lasset uns beten" beschränken, sie kann jedoch auch die traditionelle Form des Wechselgebetes („Orate fratres") annehmen. Das deutsche Messbuch sieht eine dritte Möglichkeit vor, das Gabengebet einzuleiten.

10. Gabengebet (Oratio super oblata)

Der Priester spricht mit ausgebreiteten Händen das jeweilige Tagesgebet über die Gaben. Die Gemeinde antwortet: Amen.

Das Gabengebet steht an der Scharnierstelle zwischen Gabenbereitung und Eucharistischem Hochgebet. Es leitet über zum großen Lob- und Dankgebet über Brot und Wein, zum Herzstück allen liturgischen Betens der Kirche. Der Kern des Gabengebetes ist die Bitte um Annahme der Gaben und Gebete.

Theologische Bedeutung der Gabenbereitung

Spirituelle Dimension:
Sinnbildlich bringen die Mitfeiernden in Brot und Wein die Welt und ihr ganzes Leben vor Gott, alles, was sie sind und haben. Sie wollen sich selbst in das eucharistische Geschehen einbringen und die Nähe zum sich den Menschen hingebenden Herrn suchen.
Opfercharakter:
Was wir Gabenbereitung nennen, wurde früher „Opferung" genannt. Der Begriff sollte vermieden werden, weil er leicht zum Missverständnis führt, als wäre schon die Darbringung von Brot und Wein das Opfer der Eucharistie. Das eine Opfer kann jedoch nur das Opfer Christi sein.
Diakonale Dimension:
Die Kollekte ist wesentlicher Bestandteil der Gabenbereitung und der Eucharistiefeier. Unsere Hingabe an Gott drückt sich so in der Zuwendung zum Nächsten aus, wenn in den Anliegen von Kirche und Welt Geld gesammelt wird.

Zweites Hochgebet - Vollständiger Text

Präfation
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, immer und überall zu danken durch deinen geliebten Sohn Jesus Christus.

Er ist dein Wort. Durch ihn hast du alles erschaffen.

Ihn hast du gesandt als unseren Erlöser und Heiland: Er ist Mensch geworden durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. Um deinen Ratschluß zu erfüllen und dir ein heiliges Volk zu erwerben, hat er sterbend die Arme ausgebreitet am Holze des Kreuzes. Er hat die Macht des Todes gebrochen und die Auferstehung kundgetan.

Darum preisen wir dich mit allen Engeln und Heiligen und singen vereint mit ihnen das Lob deiner Herrlichkeit:

Heilig, heilig, heilig...
Nach dem Sanctus
Ja, du bist heilig, großer Gott, du bist der Quell aller Heiligkeit.
Variable Einleitungen (je nach liturgischer Zeit)
An Sonntagen:
Darum kommen wir vor dein Angesicht und feiern in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus von den Toten auferstanden ist. Durch ihn, den du zu deiner Rechten erhöht hast, bitten wir dich:
Von Weihnachten bis Neujahr:
Darum kommen wir vor dein Angesicht und feiern in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche den hochheiligen Tag, an dem Maria in unversehrter Jungfräulichkeit der Welt den Erlöser geboren hat. Durch ihn, unseren Retter und Herrn, bitten wir dich:
Von der Osternacht bis Weißer Sonntag:
Darum kommen wir vor dein Angesicht und feiern in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Durch ihn, der zu deiner Rechten erhöht ist, bitten wir dich:
Erste Epiklese - Über die Gaben
Darum bitten wir dich: Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.
Einsetzungsbericht und Konsekration
Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freien Willen dem Leiden unterwarf, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND ESSET ALLE DAVON:
DAS IST MEIN LEIB,
DER FÜR EUCH HINGEGEBEN WIRD.
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND TRINKET ALLE DARAUS:
DAS IST DER KELCH DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES,
MEIN BLUT, DAS FÜR EUCH UND FÜR ALLE VERGOSSEN WIRD
ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN.
TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS.
Akklamation

Der Priester:

Geheimnis des Glaubens!

Die Gemeinde (eine der drei Möglichkeiten):

Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.
Anamnese und Darbringung
Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung deines Sohnes und bringen dir so das Brot des Lebens und den Kelch des Heiles dar. Wir danken dir, daß du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen.
Zweite Epiklese - Über die Gemeinde
Wir bitten dich: Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut und laß uns eins werden durch den Heiligen Geist.
Fürbitten für die Kirche
Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde und vollende dein Volk in der Liebe, vereint mit unserem Papst N., unserem Bischof N. und allen Bischöfen, mit unseren Priestern und Diakonen und mit allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind.
Fürbitte für die Verstorbenen
Gedenke unserer Brüder und Schwestern, die entschlafen sind in der Hoffnung, daß sie auferstehen. Nimm sie und alle, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind, in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht.
Schlussgebet
Vater, erbarme dich über uns alle, damit uns das ewige Leben zuteil wird in der Gemeinschaft mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit deinen Aposteln und mit allen, die bei dir Gnade gefunden haben von Anbeginn der Welt, daß wir dich loben und preisen durch deinen Sohn Jesus Christus.
Doxologie
Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes, alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Charakteristika des Zweiten Hochgebets

  • Kürze: Das kürzeste der vier Hochgebete
  • Pastoral orientiert: Einfache, verständliche Sprache
  • Doppelte Epiklese: Über Gaben und Gemeinde
  • Variable Elemente: Verschiedene Einleitungen je nach liturgischer Zeit
  • Schwächere Opferterminologie: "Brot des Lebens" statt "hostiam puram"

Drittes Hochgebet - Vollständiger Text

Eröffnung
Ja, du bist heilig, großer Gott, und alle deine Werke verkünden dein Lob.

Denn durch deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, und in der Kraft des Heiligen Geistes erfüllst du die ganze Schöpfung mit Leben und Gnade.

Bis ans Ende der Zeiten versammelst du dir ein Volk, damit deinem Namen das reine Opfer dargebracht werde vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang.
Variable Einleitungen (je nach liturgischer Zeit)
An Sonntagen:
Darum kommen wir vor dein Angesicht und feiern in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche den ersten Tag der Woche als den Tag, an dem Christus von den Toten auferstanden ist. Durch ihn, den du zu deiner Rechten erhöht hast, bitten wir dich:
Von Weihnachten bis Neujahr:
Darum kommen wir vor dein Angesicht und feiern in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche den hochheiligen Tag, an dem Maria in unversehrter Jungfräulichkeit der Welt den Erlöser geboren hat. Durch ihn, unseren Retter und Herrn, bitten wir dich:
Von der Osternacht bis Weißer Sonntag:
Darum kommen wir vor dein Angesicht und feiern in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Durch ihn, der zu deiner Rechten erhöht ist, bitten wir dich:
Epiklese
Darum bitten wir dich allmächtiger Gott: Heilige unsere Gaben durch deinen Geist, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgetragen hat, dieses Geheimnis zu feiern.
Einsetzungsbericht und Konsekration
Denn in der Nacht, da er verraten wurde, nahm er das Brot und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND ESSET ALLE DAVON:
DAS IST MEIN LEIB,
DER FÜR EUCH HINGEGEBEN WIRD.
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch, dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND TRINKET ALLE DARAUS:
DAS IST DER KELCH DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES,
MEIN BLUT, DAS FÜR EUCH UND FÜR ALLE VERGOSSEN WIRD
ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN.
TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS.
Akklamation

Der Priester:

Geheimnis des Glaubens!

Die Gemeinde:

Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.
Anamnese
Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis deines Sohnes. Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine glorreiche Auferstehung und Himmelfahrt und erwarten seine Wiederkunft. So bringen wir dir mit Lob und Dank dieses heilige und lebendige Opfer dar.
Darbringung und Epiklese
Schau gütig auf die Gabe deiner Kirche. Denn sie stellt dir das Lamm vor Augen, das geopfert wurde und uns nach deinem Willen mit dir versöhnt hat. Stärke uns durch den Leib und das Blut deines Sohnes und erfülle uns mit seinem Heiligen Geist, damit wir ein Leib und ein Geist werden in Christus.
Heiligengedenken
Er mache uns auf immer zu einer Gabe, die dir wohlgefällt, damit wir das verheißene Erbe erlangen mit deinen Auserwählten, mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit deinen Aposteln und Märtyrern und mit allen Heiligen, auf deren Fürsprache wir vertrauen.
Fürbitten für die Kirche
Barmherziger Gott, wir bitten dich: Dieses Opfer unserer Versöhnung bringe der ganzen Welt Frieden und Heil. Beschütze deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit und stärke sie im Glauben und in der Liebe: deinen Diener, unseren Papst N., unseren Bischof N. und die Gemeinschaft der Bischöfe, unsere Priester und Diakone, alle, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind, und das ganze Volk deiner Erlösten.
Universale Fürbitten
Erhöre, gütiger Vater, die Gebete der hier versammelten Gemeinde und führe zu dir auch alle deine Söhne und Töchter, die noch fern sind von dir.
Fürbitte für die Verstorbenen
Erbarme dich unserer verstorbenen Brüder und Schwestern und aller, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind. Nimm sie auf in deine Herrlichkeit. Und mit ihnen laß auch uns, wie du verheißen hast, zu Tische sitzen in deinem Reich. Darum bitten wir dich durch unseren Herrn Jesus Christus.
Überleitung zur Doxologie
Denn durch ihn schenkst du der Welt alle guten Gaben.
Doxologie
Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Charakteristika des Dritten Hochgebets

  • Ausgewogenheit: Mittlere Länge, theologisch dicht
  • Starke Opferterminologie: "Heiliges und lebendiges Opfer"
  • Kosmische Dimension: "Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang"
  • Konziliare Theologie: Betonung der Weltkirche
  • Ekklesiologischer Schwerpunkt: Kirche als Opfergabe

Viertes Hochgebet - Vollständiger Text

Eigenständige Präfation
In Wahrheit ist es würdig, dir zu danken, heiliger Vater. Es ist recht dich zu preisen. Denn du allein bist der lebendige und wahre Gott. Du bist vor den Zeiten und lebst in Ewigkeit. Du wohnst in unzugänglichem Lichte. Alles hast du erschaffen, denn du bist die Liebe und der Ursprung des Lebens. Du erfüllst deine Geschöpfe mit Segen und erfreust sie alle mit dem Glanz deines Lichtes.

Vor dir stehen die Scharen der Engel und schauen dein Angesicht. Sie dienen dir Tag und Nacht, nie endet ihr Lobgesang. Mit ihnen preisen auch wir deinen Namen. Durch unseren Mund rühmen dich alle Geschöpfe und künden voll Freude das Lob deiner Herrlichkeit:

Heilig, heilig, heilig...
Schöpfung und Sündenfall
Wir preisen dich, heiliger Vater, denn groß bist du, und alle deine Werke künden deine Weisheit und Liebe.

Den Menschen hast du nach deinem Bild geschaffen und ihm die Sorge der ganzen Welt anvertraut. Über alle Geschöpfe sollte er herrschen und allein dir, seinem Schöpfer, dienen.

Als er im Ungehorsam deine Freundschaft verlor und der Macht des Todes verfiel, hast du ihn dennoch nicht verlassen, sondern voll Erbarmen allen geholfen, dich zu suchen und zu finden.
Heilsgeschichte
Immer wieder hast du den Menschen deinen Bund angeboten und sie durch die Propheten gelehrt, das Heil zu erwarten. So sehr hast du die Welt geliebt, heiliger Vater, daß du deinen eingeborenen Sohn als Retter gesandt hast, nachdem die Fülle der Zeiten gekommen war. Er ist Mensch geworden durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. Er hat wie wir als Mensch gelebt, in allem uns gleich außer der Sünde.

Den Armen verkündete er die Botschaft vom Heil, den Gefangenen Freiheit, den Trauernden Freude. Um deinen Ratschluß zu erfüllen, hat er sich dem Tod ausgeliefert, durch seine Auferstehung den Tod bezwungen und das Leben neu geschaffen.
Sendung des Heiligen Geistes
Damit wir nicht mehr uns selber leben, sondern ihm, der für uns gestorben und auferstanden ist, hat er von dir, Vater, als erste Gabe für alle, die glauben, den Heiligen Geist gesandt, der das Werk deines Sohnes auf Erden weiterführt und alle Heiligung vollendet.
Epiklese
So bitten wir dich, Vater: der Geist heilige diese Gaben, damit sie uns werden Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus, der uns die Feier dieses Geheimnisses aufgetragen hat als Zeichen des ewigen Bundes.
Einsetzungsbericht und Konsekration
Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung. Und als die Stunde kam, da er von dir verherrlicht werden sollte, nahm er beim Mahl das Brot und sagte Dank, brach das Brot, reichte es seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND ESSET ALLE DAVON:
DAS IST MEIN LEIB,
DER FÜR EUCH HINGEGEBEN WIRD.
Ebenso nahm er den Kelch mit Wein, dankte wiederum, reichte den Kelch seinen Jüngern und sprach:
NEHMET UND TRINKET ALLE DARAUS:
DAS IST DER KELCH DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES,
MEIN BLUT, DAS FÜR EUCH UND FÜR ALLE VERGOSSEN WIRD
ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN.
TUT DIES ZU MEINEM GEDÄCHTNIS.
Akklamation

Der Priester:

Geheimnis des Glaubens!

Die Gemeinde:

Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.
Anamnese und Darbringung
Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis unserer Erlösung. Wir verkünden den Tod deines Sohnes und sein Hinabsteigen zu den Vätern.

Wir bekennen seine Auferstehung und Himmelfahrt und erwarten sein Kommen in Herrlichkeit. So bringen wir dir seinen Leib und sein Blut dar, das Opfer, das dir wohlgefällt und der ganzen Welt Heil bringt.
Epiklese über die Gemeinde
Sieh her auf die Opfergabe, die du selber deiner Kirche bereitet hast, und gib, daß alle, die Anteil erhalten an dem einen Brot und dem einen Kelch, ein Leib werden im Heiligen Geist, eine lebendige Opfergabe in Christus zum Lob deiner Herrlichkeit.
Fürbitten für die Kirche und die Welt
Herr, gedenke aller, für deren Heil wir das Opfer darbringen. Wir bitten dich für unseren Papst N., unseren Bischof N. und die Gemeinschaft der Bischöfe, für unsere Priester und Diakone und für alle, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind, für die hier versammelte Gemeinde, für dein ganzes Volk und für alle Menschen, die mit lauterem Herzen dich suchen.
Fürbitte für die Verstorbenen
Wir empfehlen dir auch jene, die im Frieden Christi heimgegangen sind, und alle Verstorbenen, um deren Glauben niemand weiß als du.
Eschatologischer Ausblick
Gütiger Vater, gedenke, daß wir deine Kinder sind, und schenke uns allen das Erbe des Himmels in Gemeinschaft mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit deinen Aposteln und mit allen Heiligen. Und wenn die ganze Schöpfung von der Verderbnis der Sünde und des Todes befreit ist, laß uns zusammen mit ihr dich verherrlichen in deinem Reich durch unseren Herrn Jesus Christus.
Überleitung zur Doxologie
Denn durch ihn schenkst du der Welt alle guten Gaben.
Doxologie
Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes, alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Charakteristika des Vierten Hochgebets

  • Heilsgeschichtlich: Vollständige Darstellung von Schöpfung bis Vollendung
  • Eigenständige Präfation: Kann nicht mit anderen Präfationen kombiniert werden
  • Theologisch dichteste: Das umfangreichste und theologisch reichste Hochgebet
  • Kosmische Dimension: Befreiung der ganzen Schöpfung
  • Starke Opferterminologie: "Das Opfer, das dir wohlgefällt"
  • Universaler Anspruch: Für alle Menschen und die ganze Schöpfung