Canon Missae - Vollständiger Text
Charakteristika des Römischen Kanons
- Alter: Kernbestand aus dem 4.-6. Jahrhundert
- Struktur: Keine explizite Epiklese, Wandlung durch Einsetzungsworte
- Opfertheologie: Explizite Opferterminologie vor und nach der Konsekration
- Besonderheit: Stille Rezitation, objektive Ordnung
Te igitur - Eröffnung des Kanons
Te igitur, clementissime Pater, per Iesum Christum Filium tuum Dominum nostrum, supplices rogamus ac petimus uti accepta habeas et benedicas ✠ haec dona, haec munera, haec sancta sacrificia illibata.
Dich also, gütigster Vater, bitten wir demütig durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn, und flehen zu Dir: nimm wohlgefällig an und segne ✠ diese Gaben, diese Geschenke, diese heiligen, makellosen Opfer.
Quam oblationem - Verwandlungsbitte (Römische "Epiklese")
Quam oblationem tu, Deus, in omnibus, quaesumus, benedictam ✠, adscriptam ✠, ratam ✠, rationabilem, acceptabilemque facere digneris: ut nobis Corpus ✠ et Sanguis ✠ fiat dilectissimi Filii tui Domini nostri Iesu Christi.
Diese Opfergabe mache Du, o Gott, in jeder Hinsicht, so bitten wir, gesegnet ✠, gültig ✠, rechtmäßig ✠, geistig und Dir wohlgefällig: damit sie uns werde Leib ✠ und Blut ✠ Deines geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.
Konsekration - Wandlungsworte
HOC EST ENIM CORPUS MEUM
HIC EST ENIM CALIX SANGUINIS MEI, NOVI ET AETERNI TESTAMENTI: MYSTERIUM FIDEI: QUI PRO VOBIS ET PRO MULTIS EFFUNDETUR IN REMISSIONEM PECCATORUM.
DAS IST MEIN LEIB
DAS IST DER KELCH MEINES BLUTES, DES NEUEN UND EWIGEN BUNDES: GEHEIMNIS DES GLAUBENS: DER FÜR EUCH UND FÜR VIELE VERGOSSEN WIRD ZUR VERGEBUNG DER SÜNDEN.
Unde et memores - Postkonsekriatorische Darbringung
Unde et memores, Domine, nos servi tui, sed et plebs tua sancta... offerimus praeclarae maiestati tuae de tuis donis ac datis hostiam ✠ puram, hostiam ✠ sanctam, hostiam ✠ immaculatam, Panem ✠ sanctum vitae aeternae et Calicem ✠ salutis perpetuae.
Daher gedenken wir, Herr, Deine Diener und Dein heiliges Volk... Wir bringen Deiner erhabenen Majestät von Deinen Gaben dar ein reines ✠ Opfer, ein heiliges ✠ Opfer, ein makelloses ✠ Opfer, das heilige ✠ Brot des ewigen Lebens und den Kelch ✠ des immerwährenden Heiles.
Theologische Besonderheiten des Römischen Kanons
Keine explizite Epiklese: Im Unterschied zu allen östlichen Traditionen kennt der römische Kanon keine ausdrückliche Anrufung des Heiligen Geistes. Die Wandlung geschieht durch die Kraft der Einsetzungsworte selbst.
Opferterminologie: Sowohl vor ("sacrificia illibata") als auch nach ("hostiam puram") der Konsekration wird explizit von Opfer gesprochen - eine Klarheit, die in östlichen Liturgien oft weniger ausgeprägt ist.
"Pro multis": Die Formel "für viele" wird strikt beibehalten und hat soteriologische Bedeutung.